India - I Never Do It Again

Zugegeben, ganz so schlimm wie in der Headline erwähnt, ist es nicht. Indien ist zweifellos ein spannendes, einzigartiges aber auch ein sehr extremes Land. Die verschiedensten Eindrücke prallen gnadenlos auf dich ein und es bleibt dir kaum Zeit, um Luft zu holen. Gerade in Neu Delhi, wo unsere Weltreise ihren Anfang nahm, haben wir die volle Ladung abbekommen. Die vielen Menschen, welche sich teilweise Schulter an Schulter reihen und einem kaum Platz geben um sich zu bewegen. Die verschiedensten Gerüche, die exotischen Gewürze, welche sich mit dem Gestank der Strassen und dem allgegenwärtigen Müll um die Wette streiten. Die chaotischsten Strassenzustände, welche wir bisher je gesehen und erlebt haben. Autos, Busse, TukTuk's, Mofas, Fahrräder, Fussgänger und Kühe. Alle teilen sich die Strassen, die einzige Regel die es zu befolgen gilt scheint, es gibt keine, der Stärkere gewinnt. Aber erstaunlicherweise funktioniert auch dieses System. Natürlich ist die grosse Armut des Landes, welche nach wie vor einen grossen Teil der Bevölkerung trifft, hart. Von Anfang an wird man damit konfrontiert. Zu Beginn fühlt man sich irgendwie schlecht nun so viel Geld für eine Reise auszugeben, wo es doch Menschen gibt, die kaum was zu Essen haben und wirklich im Elend leben. Besonders die vielen Kinder, welche stetig um Geld betteln, gehören leider irgendwie zu Indien dazu. Es wird davon abgeraten, Geld zu geben, da ansonsten hunderte von Kindern kommen und man dann ein echtes Problem hat. Also fängt man an, die bettelnden Menschen und Kinder zu ignorieren. Das Thema beschäftigte uns dennoch weiterhin. Man macht sich Gedanken, ob dieses Verhalten wirklich richtig sein kann? Die Armut einfach zu ignorieren? Nun aber zu einem anderen Thema.  

 

Das Essen, oh ja das Essen. Die echte indische Küche ist mit der uns bekannten europäischen Indischen Küche nicht zu vergleichen. Die zahlreichen verwendeten Gewürze, kombiniert mit etwas süssem, sauren oder scharfen, lösen wahrlich geschmacksexplosionen im Mund aus. Teilweise sehr ungewohnte Kombinationen, jedoch irgendwie trotzdem lecker. Im Norden werden vor allem Gerichte mit Saucen und indischem Brot (Naan, Roti oder Paratha) zubereitet, wohingegen im Süden vor allem Seafood, mit Kokosmilch zubereitet und Reis als Beilage gereicht wird.  Fleischliebhaber haben es in Indien nicht einfach. Wie die meisten wissen, sind die Kühe in Indien heilig und werden nicht verspeist. Stattdessen werden im Norden viele Gerichte mit Paneer zubereitet. Es handelt sich hierbei um eine Art Frischkäse. Ansonsten bekommt man ohne Probleme Hühnchen in den verschiedensten Varianten. Auch Lammfleisch kann, jedoch nicht überall, bestellt werden. Das speziellste Gericht, was ich (Ben) gegessen habe war Gehirncurry (vom Lamm), da Rocio sich weigerte. Gar nicht mal so übel, wenn man das Kopfkino ausschalten kann. Zu trinken bekommt man vor allem den bekannten Chai (Schwarztee). Er wird mit Milch oder Milchpulver und viel Zucker serviert. Oder den Masala Chai, in welchem sich noch eine spezielle Gewürzmischung, unter anderem Kardamom, befindet. Nun genug der kulinarischen Köstlichkeiten. Mehr zu einzelnen Gerichten findet ihr auf www.foodalishous.com.

 

Was uns aufgefallen ist, dass die Freundlichkeit der heimischen Bevölkerung und die Gastfreundschaft von Norden nach Süden stetig zugenommen hat. Dies ist jedoch unser persönlicher Eindruck und soll nicht falsch verstanden werden. Wir haben in allen Städten wunderbare, nette Menschen kennen gelernt. Es war jedoch nicht immer ganz einfach zu spüren, ob wirklich ein Interesse besteht, das Land und die Kultur mit uns zu teilen oder einfach Kasse zu machen. 

 

Unsere Reise hat uns wie erwähnt von Neu Delhi im Norden bis zum südlichsten Punkt Indiens namens Kanyakumari geführt. Unser meist verwendetes Transportmittel war der Zug. Aber auch Flugzeug, TukTuk's, Busse, Roller und Taxis kamen zum Einsatz. Insgesamt haben wir in ca. 1.5 Monaten 6 Bundesstaaten (Uttar Pradesh, Rajasthan, Maharashtra, Goa, Kerala, Tamil Nadu) besucht und sind rund 6'000km gereist. Die mit Abstand schönste Stadt ist Udaipur in Rajasthan. Wer uns nicht glaubt, bitte kontaktiere die Galerie auf der Homepage :-). Auch die heiligste Stadt der Hindus, Varanasi am Fluss Ganges mit den zahlreichen Ghats, ist äusserst interessant. Beeindruckend war ausserdem die Slumtour in Mumbai. Im Vorfeld haben wir uns erkundet, was genau die Tour beinhaltet. Es sollte keinem "Zoobesuch" gleichen. Man hat uns versichert, dass 80% der Einnahmen direkt an die Einwohner gehen und Schulen gebaut werden, damit die neue Generation die Slums verlassen können. Erstaunt waren wir, als wir sahen, wie die Slumbewohner mit Ihrem Schicksal umgehen. Im Slum selbst herrscht nämlich ein reges Treiben. Es wird Plastik aller Art recylet und etliche Sachen produziert und an Händler verkauft. Am meisten enttäuscht waren wir von der Tigersafari im Ranthambore Nationalpark. Dort haben wir eigentlich nur viel Geld für nichts ausgegeben. Auch ein eigentliches Highlight, das Holi-Fest in Matura war für uns ein Reinfall. Dies jedoch selbstverschuldet, da wir den Morgen verschlafen hatten und das Festival in den Tempeln am Nachmittag bereits vorbei war.

 

Ja, das alles und noch vieles mehr ist Indien. Ohne Zweifel, langweilig wird es hier bestimmt nie. Trotz vieler Reisen in andere Länder, Indien ist einzigartig. Es ist schwierig, sich darauf vorzubereiten. Man muss es einfach erlebt haben. Wer gerne reist, sollte unbedingt einmal in Indien gewesen sein und sich 100% darauf einlassen. Man wird mit vielen Eindrücken belohnt. Und nein, es wird nicht die letzte Reise nach Indien gewesen sei! 

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Kommentare: 2
  • #1

    H, A, M, P, INHO (Montag, 11 Mai 2015 19:03)

    Ich war doch etwas gespannt auf dein Fazit.... Und muss sagen gefällt mir.

    Ja mein lieber Freund, nun hast du mal ein Bruchteil vom ganzen Elend unseres ungleichen Planeten gesehen. So wie ich auch..... leider...... Wo ich immer wieder Probleme habe, ist wenn ich von solchen Länder zurück bin, wie jetzt eben Indien erwähnt, verstehe ich die westliche Mentalität immer wie weniger. Das ganze unnötige Zeugs was wir haben, die Wertvorstellungen die wir zelebrieren genauso. muss ich mich immer wieder an der Nase nehmen. Aber ich verbessere mein Karma immer wenn ich zurück bin mehr :-D

    Ich glaube "wir" dürfen uns einfach nicht zu wichtig und zu voll nehmen....denn wir sind es nicht....

    Bereite dich auf Bolivien vor, vor allem El Alto.... oder Paraguay, Ostafrika etc. etc. Oder selbst den Schwefelvulkan den du kürzlich besucht hast auf Java. Die Bauen unter absolut unmenschlichen Bedienungen Schwefel ab, damit wir immer das neueste Gadget haben.

    Aber wir können diesen menschen auch viel zurück geben, wie etwa durch kooperativen der Einheimischen, kostet ein wenig mehr, geht aber direkt in deren Tasche. Respekt und Achtung. Hat mir schon so mancher Tee oder Kaffee beschert.

    In diesem Sinne

    Viel Spass weiterhin und passt auf euch auf...

  • #2

    Giradeamor (Dienstag, 12 Mai 2015 05:19)

    Das hast du richtig gesagt, Hampi. Die Menschen arbeiten unter den schwersten Bedingungen in brütender Hitze und verdienen kaum was. Trotzdem beklagen sie sich nicht ständig, wie wir es tun. Auch scheinen sie fröhlicher zu sein. Immer wieder sieht man ein Lächeln. Dies müssen wir in der Schweiz noch lernen. Zufriedener und dankbarer zu sein.