Auf den Spuren von Dumbo

Elefanten gehören zu Thailand wie die Kühe zur Schweiz. Für uns war es deshalb klar, irgendwo im Norden ein Camp zu besuchen und mehr von den Dickhäutern zu erfahren. In Chaing Mai gibt es besonders viele Elefantencamps. Bei der Auswahl war es uns jedoch wichtig, dass wir ein Camp besuchen, welches würdevoll mit den Tieren umgeht. Es gibt nämlich zig Camps, in welchen die Elefanten erzogen werden, Fussball zu spielen oder ein Bild zu malen. Dies alles nur, um möglichst viele Touris zu unterhalten. So etwas möchten wir keinesfalls unterstützen. Nachdem wir uns informiert haben, viel unsere Wahl schlussendlich auf das Camp Bahn Chang. Hierher kommen Elefanten, welche entweder von ihrem Elend in jahrelanger Gefangenschaft befreit wurden oder aber freiwillig von ihren früheren Besitzern abgegeben wurden. Man kümmert sich hier besonders intensiv und liebevoll um die Tiere, welche teilweise eine schreckliche Vergangenheit hatten. Der Preis für einen Tagesaufenthalt is jedoch um ein vielfaches höher, da eine solche Pflege viel Geld verschlingt.


Kurz ein paar wenige Fakten: Im Camp befinden sich aktuell 47 Elefanten, welche im Monat rund 300'000 Bat verfressen. Ein Elefant kann pro Tag ca. 10% seines eigenen Körpergewichts an Futter zu sich nehmen. Bei 4.5 Tonnen sind dies bereits 450 Kg Futter für einen einzigen Elefanten.


Unser Morgen begann damit, dass wir die Tiere mit Zuckerrohr füttern durften. Danach haben wir viele Grundinformationen zu dem Elefanten erhalten. Was wir beispielsweise nicht wussten, der Rücken des asiatischen Elefanten ist aufgrund der Physionomie nicht geeignet um schwere Last zu tragen. Die meiste Elefantentrekkings machen jedoch genau das, indem sie einen schweren Metallsitz auf den Rücken des Tieres schnallen. Am besten jedoch und für den Elefanten überhaupt nicht unangenehm ist es, wenn man direkt auf den Nacken sitzt, da dieser durch Muskeln geschützt ist. 


Der nächste Programmpunkt, einige Thaiwörter beherrschen. Denn um das Tier zu lenken ist es von Vorteil, die richtigen Kommandos zu kennen. So zum Beispiel "Nong Long", damit der Elefant in die Knie geht und man diesen besteigen kann oder "Hau" um zu stoppen. Es ist schon sehr faszinierend, wenn sich ein tonnenschweres Tier hinlegt. Nachdem die Kommandos sitzen, ging es auch schon bereits los. Jeder durfte eine kurze Runde auf der Elefantendame Marry Poppins drehen, um die Kommandos und deren Wirkung in Echt zu testen. Ging gar nicht mal so schlecht, aber es ist doch eine sehr wacklige Angelegenheit. Bevor wir dann unseren Lunch einnahmen, wies uns unser Guide noch kurz darauf hin, wie wir uns für den seltenen Fall verhalten sollten, falls der Elefant zu rennen beginnt. Sich fest an den Ohren halten (die des Elefanten), den Körper und die Beine so nah wie möglich an den Elefanten drücken und laut "Hau" rufen. Auf keinen Fall abspringen, hiess es. Zu diesem Zeitpunkt dachte niemand von uns, dass diese Information noch sehr wichtig sein wird. 


Nach einem feinen Padthai waren wir fürs grosse Abenteuer bereit. Jeder bekam, seinen eigenen Elefanten. Am morgen wurde uns erklärt, dass jeder Elefant, wie auch der Mensch, einen eigenen Charakter hat. Es galt nun also herauszufinden, wie der eigene Elefant so tickt. Wir haben beide Elefantendamen zugeteilt bekommen. Und los gings, indem wir zwei Runden um das Camp liefen. Ben's Elefant war extrem gefrässig und hat auf dem Weg immer wieder links und rechts nach Futter gegriffen. Alles was irgendwie essbar war, wurde mitgerissen. Der Charakter dieses Tieres passte also ganz gut. Die erste Runde haben alle gut überstanden. Nach einer kurzen Pause und einer nassen Abkühlung der Elefanten ging es in die zweite Runde. Kurz bevor diese vorbei war, passierte es: Der hinterste Elefant hat plötzlich Laute von sich gegeben und begann zu rennen. Quizfrage: Was passiert in einer Elefantenherde, wenn ein Elefant zu rennen beginnt? Richtig, alle rennen los. Die ganze Herde hat also zu rennen begonnen und Hektik brach aus. Die Mahouts (Elefantentrainer) versuchten die Tiere zu stoppen, aber irgendwie schienen die ein wenig ratlos gewesen zu sein. Einige Elefanten (so z.B. Ben's) rannen die Strecke einfach weiter, bis sie dann von irgendjemandem gestoppt wurden oder von alleine stehen blieben. Rocio's Elefant und auch noch einige andere sind jedoch ins dichte Gestrüpp gerannt. Die Mahouts riefen nur noch abspringen oder an einem Ast festhalten. Dies hat Rocio dann auch gemacht, jedoch nicht ohne einige Schürfwunden davon zu tragen. Ein Mitreisender wurde gar kopfüber vom Elefanten geschleudert. Wirklich verletzt wurde glücklicherweise niemand. Der Schreck aber blieb und war allen deutlich anzusehen. Die Dickhäuter können bis zu 40km/h rennen. Klingt jetzt vielleicht nicht so schnell, aber auf dem Elefanten sitzend sieht es dann schon etwas anders aus. Natürlich wollten alle wissen, was der Auslöser für die Panik war. Unglaublich aber wahr, eine kleine Ente war schuld. Die Elefantendame war gerade ihr Geschäft am verrichten, als sei sich durch das Quaken erschrak. Dieses gigantische Säugetier, mehrer Tonnen schwer, rennt von einer winzigen Ente davon, Dass muss man sich wirklich bildlich vorstellen. 


Nachen sich alle erholt hatten, konnten wir dann noch mit den Elefanten im Wasser plantschen und sie schrubben. Das Highlight für die Tiere, da sie Wasser über alles lieben. Trotz des kleinen Zwischenfalls war der Tag echt spannen und hat Spass gemacht. Daumen hoch und empfehlenswert. 

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Kommentare: 3
  • #1

    Irène (Montag, 27 Juli 2015 12:37)

    Ihr Lieben Zwei
    Endlich habe ich mich wiedermal durchgelesen.
    Toll wie Ben schreibt und fotografiert.
    Vielen lieben Dank "dass ich so mitreisen darf".
    Alles Gute Euch Beiden und liebe Grüsse
    Irène

  • #2

    Giradeamor (Freitag, 28 August 2015 11:02)

    Vielen lieben Dank Irène., wir erleben täglich so viel, manchmal fast zu viel :-)

    Liebe Grüsse in die CH

  • #3

    Fambär (Donnerstag, 10 September 2015 13:10)

    Cooli Sach. Gits kei Föteli vum Elefante - Renne?