Kambodscha - Immer ein lächeln auf den Lippen

In der Hauptstadt Phnom Penh angekommen, fühlten wir uns ein wenig wie bei der Ankunft in Indien. Weshalb? Die schreienden TukTuk-Fahrer, der chaotische Verkehr und die verhüllten Strassen. Jedoch ein wesentlicher Unterschied ist uns aufgefallen, das Lächeln der Menschen. Umso mehr beeindruckt diese herzliche Geste, wenn man die tragische Geschichte Kambodschas kennt. Wir mussten noch nicht viel darüber und haben uns ehrlicherweise in der Vergangenheit auch nicht besonders dafür interessiert.


Vielleicht haben einige schon mal den Begriff "Khmer Rouge" gehört?! Es handelt sich hierbei um eine Gruppe, angeführt vom Diktator Pol Pot's, welcher die Ansicht vertrat, dass nur die die Bevölkerung auf dem Lande gut für Kambodscha ist. Alles städtische ist schlecht und sollte zerstört werden. Geld wurde abgeschafft und Bücher verbrannt. Vor allem Lehrer, Händler, einfach alle Intellektuellen mussten vernichtet werden. Pol Pot selbst war übrigens Lehrer und hat in Paris studiert. So kam es, dass zwischen 1976 und 1979 von den damals rund 8 Millionen Einwohnern auf brutalste Art und Weise ein Drittel ermordet wurden. Alle Kambodschaner, welche nicht ins Bild von Pot's passten, wurden in Vernichtungslager gebracht. Anfänglich wurden sie mit Bussen vom ganzen Land zusammengetragen und umgehend ermordet. Da die Anzahl der Gefangenen jedoch täglich zunahm, wurde das schnelle Töten nicht mehr möglich und man hat sie auf ihren Tot warten lassen. Ermordet wurden sie vor allem mit Beil und Axt oder sonstigen Gegenständen, welche sich zum schlagen eignen. Es musste einfach schnell gehen. Gewehre und Pistolen kamen nicht zum Einsatz, da die Kugeln dafür zu teuer waren. Baby's wurden mit dem Kopf voran gegen einen Baum geschlagen und dann ins Massengrab geworfen. Damit die Gefangenen nicht hörten, wie in der Nacht gemordet wurde, wurde im ganzen Areal laute Musik abgespielt. Wenn man Menschen zu hört, die diese Zeit er- und überlebt haben, kommen einem fast die Tränen. Das Menschen wirklich zu so grausamen Taten fähig sind ist unbegreiflich. Vertrieben wurden die Roten Khmer von vietnamesischen Truppen. Als Untergrundorganisation haben sie jedoch weiterhin agiert und wurden sogar von westlichen Ländern unterstützt. Wirklich aufgelöst wurde die Organisation erst 1998. 


In Phnom Penn ist es möglich die sogenannten "Killing Fields" anzuschauen. Man kann sich ein Bild davon machen, wie gross das Areal war, wie viele Massengräber es gegeben haben muss. Mittels Audiohörgerät begibt man sich von Station zu Station und hört den tragischen Geschichten zu. Immer wieder kommt man an einem Massengrab vorbei. Die meisten menschlichen Überreste wie Knochen, Zähne oder Kleider wurden zusammengetragen und in einer Stupa in der Mitte des Geländes aufbewahrt. Durch die ständigen Regenfälle kommen jedoch heute noch immer noch Knochen zum Vorschein. Eigentlich bin ich kein Freund von so tragischen und traurigen Schauplätzen. Für die Kambodschaner aber scheint es wichtig zu sein, die Welt da draußen aufzuklären, was in ihrem Land schreckliches passiert ist und es sollte sich nirgends mehr auf der Welt wiederholen. 


In Phnom Penh sieht man besonders gut, dass sich das Land noch immer am erholen ist und sich im Aufbau befindet. Nebst modernen, westlichen Shopping-Mall und Fastfood-Ketten sieht man auch noch immer viel nicht asphaltierte Strassen und Menschen die in Armut leben. Uns ist aufgefallen, dass vor allem chinesische Investoren das Land entdeckt haben und diverse Grundstücke kaufen um darauf Einkaufszentren oder Bürogebäude zu erstellen. Die Hauptstadt wird sich in den kommenden Jahren sicherlich stark verändern.  


Nebst Phnom Penh waren wir natürlich noch in Siem Reap und haben uns die berühmten Tempel des Angkor Wat und weitere Tempelstätte angeschaut. Es ist immer wieder faszinierend, welche architektonischen Wunder die Menschen vor Jahrhunderten von Jahren vollbracht haben. In der Bildergalerie von Kambodscha findest du einige Fotos dazu. 


Die dritte und letzte Stadt welche wir in Kambodscha besuchten, war Battambang. Die Stadt ist von Siem Reap in einigen Stunden gut zu erreichen und ist vor allem für den Bambus-Zug bekannt. Es gibt eine alte Zugstrecke, welche in einem so miserablen Zustand ist, dass kein Zug darauf fahren kann. Die Kambodschaner aber sind erfinderisch und haben daraus ein Business gemacht. Die Strecke selbst ist nicht sehr lang, man fährt rund 15 Minuten hin und 15 Minuten zurück. Der "Zug" besteht eigentlich nur aus einer 1.5m2 grossen Bambusfläche und 4 Rädern. Hinten befindet sich ein Motor und ein Kambodschaner, welcher dieses Gefährt lenkt. Die Geschwindigkeit ist mit knapp 30km/h nicht sehr hoch könnte man meinen. Auf diesem Ding sitzend, ohne jeglichen Schutz links und rechts fühlt es sich irgendwie aber doch schneller an. Die Gleise sind wirklich in sehr schlechtem Zustand, so dass man nach allen paar Metern den Übergang der einzelnen Gleisteile spürt. Teilweise sind sogar Löcher vorhanden, nicht gerade gesund für den Rücken ;-) Eine Fahrt kostet umgerechnet 5 Dollar. Wer die Chance hat, sollte dies unbedingt noch machen, da die Regierung Pläne hat, die Gleise zu erneuern und ans bestehende Gleisnetz anzuschliessen. Dies kann aber noch Jahre dauern. Bis dahin. Enjoy the Ride!


Das beste in Kambodscha ist und bleibt aber die Bevölkerung selbst. In ganz Asien waren dies wohl mit die freundlichsten und herzlichsten Menschen die uns begegnet sind. Es scheint, als hätten sie nicht viel, sind aber bereit, alles zu geben. Das ist es, was Kambodscha für uns ausmacht.  



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