Bezaubernde Geisha in Kyoto

Kyoto ist für seine vielen Geishas bekannt. Um genau zu sagen, sind es gerade mal 300 an der Zahl. Und um noch präziser zu sein, eigentlich gibt es in Kyoto gar keine Geishas, sondern Geiko's und Maiko's. Der Begriff Geisha ist eigentlich ein Synonym für Geiko. Die Wahl zur Maiko ist die Vorstufe, bis das eigentliche Ziel, eine Geiko zu sein, erreicht werden kann. Eine junge Frau kann erst ab dem 15. Lebensjahr die Entscheidung treffen, eine Maiko zu werden. Wenn man sich aber für diesen Lebensweg entscheidet, gilt es einige sehr harte und disziplinierte Jahre des Erlernens verschiedenster Fähigkeiten zu überstehen. Grob gesagt ist es die Aufgabe einer Maiko bzw. Geiko, vor allem Männer zu unterhalten. Japanische Kunstformen wie das Singen und Tanzen, Musikinstrumente, Teezeremonien, Blumenarrangements und am wichtigsten, die Gäste mit einer perfekten Gastfreundschaft zu empfangen und bei Laune zu halten. Eine richtige Geiko für sich zu buchen hat aber auch seinen Preis. Bis zu 10’000 Dollar kann ein Abend kosten. Entsprechend werden sie meist auch nur von japanischen Businessleuten gebucht. Eine Alterslimitte für den Ruhestand gibt es nicht. Es gibt Geikos, die über 80 Jahre alt sind und noch immer im Business sind. 

 

In Kyoto gibt es einige bekannte Quartiere, in welchen die Chancen gut stehen auf richtige Maiko’s und Geiko’s zu treffen. Ich sage richtige, weil es mittlerweile diverse asiatische Touristen gibt, welche sich zu einer „Geisha“ transformieren lassen und durch die Strassen Kyoto’s schlendern. Es gibt aber einige Zeichen, an welchen man eine Echte erkennen kann. Beispielsweise werden echte Maiko’s oder Geiko’s niemals für ein Foto anhalten. Nein, sie bewegen sich ziemlich schnell und zielgerichtet fort. Zum Zweiten ist das Make-Up eine sehr aufwendige Angelegenheit und muss sehr präzise ausgeführt werden. Wenn man also genauer hin schaut, kann man den Unterschied erkennen. Ebenfalls kann man eine Maiko von einer Geiko an ihrem Aussehen unterscheiden. Die Schleppe hinten am Rücken einer Maiko ist lang und reicht fasst bis zum Boden wohingegen die einer SGeiko kurz ist. Eine Maiko im ersten Jahr hat zudem nur ihre Unterlippe, nicht aber die Oberlippe rot gefärbt. 

 

Mit all diesen Tipps habe ich mich auf die „Pirsch“ gemacht. Man sagt, dass die beste Zeit kurz vor 6 Uhr abends ist, da dann die Damen ihre Unterkünfte verlassen um zu ihren Gästen zu gelangen. Also bin ich gegen 5 Uhr Richtung Gion-Quartier im Zentrum Kyoto's gegangen und habe gewartet. Leider hat es kurz darauf stark angefangen zu regnen und zu stürmen. Ich war mir nicht sicher, ob ich hier und heute eine „Geisha“ vor meine Linse bekomme. Doch kurz nach 5.30 Uhr war es soweit. Eine Geiko kam von einer seitlichen Gasse direkt in meine Richtung. Das Geräusch ihrer hölzernen Schuhe verbunden mit dem schnellen Schritt haben mich an einen Stepptänzer erinnert. Ich habe nicht lange gezögert und einige Bilder geschossen. Jedoch immer von der Seite, nie direkt von vorne. Ich habe gelesen, dass dies aus Respekt vermieden werden soll. Ausserdem, wer hat es schon gerne, wenn man eine Kamera direkt vor die Nase hält. Leider halten sich nicht immer alle Touristen an solche Verhaltensregeln. Das schlechte Wetter hatte aber zwei positive Aspekte. Erstens war die zu dieser Zeit ansonsten mit Touristen vollgestopfte Gegend ziemlich leer. Nebst mir waren nur noch eine hand voll Leute vor Ort. Und zum Zweiten hatten die Frauen ihren Schirm dabei, was auf den Fotos noch besser aussehen würde. So Schnell wie die Dame kam, war sie dann aber auch schon wieder weg. Also habe ich auf weitere „Geishas“ gewartet. Ehrlich gesagt, kam ich mir ein wenig vor, wie ein Paparazzi. Ruhig in einer Ecke warten, mit Kamera ausgerüstet und auf sein Objekt der Begierde wartend. Aber irgendwie faszinieren mich diese stolze, verkleideten und geschminkte Frauen. Trotz ihres schnellen Schrittes strahlen sie eine äusserst grosse Ruhe und Eleganz aus. Ich habe an diesem Abend nur noch eine weiter Geiko fotografieren können. Mittlerweile gibt es viele Geishas, welche sich mit dem Taxi direkt vor ihren Arbeitsort bringen lassen. Ehrlich gesagt, kann ich sie verstehen. Teilweise werden die Damen von Dutzenden Touristen richtig gejagt. Ich habe sogar beobachtet, wie eine Touristen ihr Handy knapp 20 cm vors Gesicht einer Geiko hielt. Natürlich sind sich die die Geishas bewusst, dass sie etwas spezielles sind und Touristen anziehen. Trotzdem gilt es immer anständig und respektvoll zu agieren. Wer nebst der Geschichte die Fotos dazu sehen möchte, einfach hier klicken. 

 

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