Das Vermächtnis von Pablo Escobar

 

Bei Kolumbien denken viele noch immer an Drogen und Pablo Escobar. Obwohl der Drogenbaron seit 1993 tot ist, leidet das Land noch immer unter dem schlechten Image von früher. Es stimmt, dass Pablo das Land vor allem in den 80er Jahren stark geprägt, ja gar regiert hat. Auf seine eigene, brutale Art. Escobar wuchs in der zweit grössten Stadt Kolumbien’s, Medellin, unter einfachsten Bedingungen auf. Schon früh hat er erkannt, dass mit Drogen, vor allem mit Kokain, viel Geld gemacht werden kann. Entsprechend baute er sich Schritt für Schritt sein Imperium auf. Zuerst in der eigenen Stadt, dann im ganzen Land und schlussendlich im Ausland. In den 70er und 80er-Jahren war vor allem der Amerikanische Markt der Droge Kokain sehr zugeneigt. Es wurden zeitweise Millionen Dollar an nur einem Tag umgesetzt. . Pablo Escobar hatte so viel Geld, dass er effektiv nicht wusste, wo er es lagern sollte. Kein Witz, das viele Geld wurde gar unter der Erde vergraben und in einem Plan gekennzeichnet. Zudem hatte er im ganzen Land unzählige Immobilien gekauft. Wer Geld hat, hat Macht. Escobar hat sich seine Leute einfach gekauft. Vom Polizisten, über Politiker, bis zu Richtern. Man hatte praktisch keine Wahl, als mitzumachen, denn es hiess: „Plomo o Plata“, zu deutsch: „Geld oder Blei“. Zig tausende wurden unter Pablo Escobar’s Kommando ermordet. Medellin galt zu dieser Zeit als gefährlichste Stadt der Welt. 

 

Wenn man diese Geschichten hört, müsste man meinen, die Bewohner Kolumbiens hätten ihn für seine Gräueltaten verabscheut. Aber dem ist nicht so. Pablo hat mit dem vielen Geld unter anderem Häuser, Schulen und Sportplätze gebaut, vor allem für die Armen in seiner Stadt Medellin. Dafür wurde er von vielen als Held bezeichnet und entsprechend verehrt. Sein erklärtes oberstes Ziel war es, Präsident Kolumbien’s zu werden. Also stieg er in die Politik ein. Einige Politiker im Kongress wollten ihn jedoch nicht dort sehen, da er mit Drogen in Verbindung gebracht wurde und dies dem Land nur Schaden würde. Pablo Escobar hat nie zugegeben, dass er mit Drogen handelt. Aufgrund eines frühren Polizeifotos von einer Verhaftung konnten jedoch sämtliche Mitglieder überzeugt werden und er wurde ausgeschlossen. In den darauffolgenden Jahren gab es viele Strassenkriege und unzählige Tote. Escobar verfolgte nach wie vor sein Ziel, Präsident zu werden. Dies ging so weit, dass er bei den kommenden Wahlen den führenden Präsidentschaftskandidaten ermorden liess. Ein enger Vertrauter des ermordeten Politikers wurde deshalb neuer Präsident. Er wollte dem Druck und den Drohungen des Drogenbarons keinesfalls nachgeben, sonder gegen Pablo Escobar ankämpfen und ihn hinter Gitter bringen. Pablos’s Antwort? Er hat ein Flugzeug der Fluggesellschaft Avianca in die Luft sprengen lassen. Der damalige Präsident hätte eigentlich im Flugzeug sein sollen, wurde jedoch vorher noch gewarnt und blieb deshalb am Leben. Dieser Präsident nämlich war es, der Pablo Escobar ins Gefängnis gebracht hat. Wobei das so eigentlich nicht ganz stimmt. Denn Escobar hat sich in Wirklichkeit selbst hinter Gitter gebracht. Aber er ist nicht einfach zu der Polizei gegangen und hat sich gestellt - nein. Pablo Escobar hat sich sein eigenes Gefängnis bauen lassen. Es handelte sich hierbei eher um ein privates Anwesen mit Fussballplatz, Jacuzzi und vielen weiteren Annehmlichkeiten. Wärter oder sonstige Polizei waren nicht vor Ort. Die Polizei durfte sich dem Grundstück maximal 2 Meilen nähern. Er war eingesperrt, korrekt. Hauste aber wie ein König und liess sich regelmässig das beste Essen und zig Frauen ins „Gefängnis“ liefern. War der Drogenhandel damit gestoppt? Natürlich nicht. Mit dem Satellitentelefon wurde fleissig weiter gemacht. Weshalb geht eine Staatsregierung einen solchen Deal mit einem Kriminellen ein, fragt man sich? So unglaublich es auch klingen mag, man wusste so wo sich Escobar aufhielt und dachte, man hätte ihn besser unter Kontrolle. 

 

Ein kleiner Einschub für Fussballfans. Pablo Escobar liebte Fussball. Ihm gehörte sogar der Fussballclub (National) in Medellin. Als Besitzer eines Fussballclubs liess es sich zudem leichter Geld waschen. Zu den schlimmsten Zeiten Kolumbiens gehörten 6 von 8 Clubs im Land den Drogenbossen. Die Spieler der Nationalmannschaft wurden regelmässig eingeladen um mit Pablo Fussball zu spielen und sich zu vergnügen. Vielleicht ist die WM 1994 in den USA noch einigen im Kopf. In der Qualifikation hatte Kolumbien’s Nationalmannschaft überragend gespielt. Den haushohen Favoriten Argentinien blamiert. Die Erwartungen des ganzen Landes waren dementsprechend riesig. Kolumbien kann endlich der Welt zeigen, dass es mehr als Drogen zu bieten hat.. Und was passierte dann? Das erste Gruppenspiel gegen Rumänien ging 1:3 verloren. Das ganze Volk war herbe enttäuscht. Dies bedeutete, dass beim nächsten Spiel ein Sieg her musste, da es ansonsten wieder nach Hause gehen würde. Vor diesem zweiten Gruppenspiel passierte jedoch etwas, was den weiteren Verlauf der WM für Kolumbien prägen sollte. Die gesamte Mannschaft erhielt im Hotel Drohungen. Die Drohung galt jedoch nicht nur den Spielern sonder auch deren Familien zu Hause. Ein Bruder eines Spielers wurde bereits ermordet. Ebenfalls wurde angeordnet, dass ein Schlüsselspieler nicht spielen darf. Man geht davon aus, dass diese Drohungen von einflussreichen Kolumbianern ausgesprochen wurde, welche beim miserablen Eröffnungsspiel beim Wetten viel Geld verloren hatten. Beim nächsten Gruppenspiel am nächsten Morgen gegen die USA kam es wie es kommen musste. Die Kolumbianer spielten miserabel. Kein Wunder, kein einziger Spieler wollte eigentlich Fussball spielen und waren mit den Gedanken bei ihrer Familie zu Hause und hatten Angst. Dann der Schock, Escobar, nein nicht Pablo sondern Andrés Escobar, neben Valderama der wichtigste Spieler welcher zwischen 1989 und 1990 sogar bei YB spielte, schiesst ein Eigentor. Damit war die Partie und die WM für Kolumbien gelaufen. Zurück im eigenen Land bekam die ganze Mannschaft dann Polizeischutz. Escobar aber war ein volksnaher Fussballstar. Er wollte sich nicht verstecken. Dies wurde ihm zum Verhängnis, denn er wurde von seinen eigenen Landsleuten nach einem Barbesuch kaltblütig erschossen. 

 

Pablo Escobar hatte mit diesem Mord jedoch nichts mehr zu tun, da er selber bereits tot war. Aber wie starb der mächtigste Mann Kolumbiens? Nachdem der Präsident genug von Pablo’s Machenschaften hatte, wurde beschlossen, das selbst ernannte Gefängnis zu stürmen. Während der Flucht wurde er dann von der Polizei ermordet. Dies die offizielle Geschichte. Der Sohn des Drogenbosses behauptet jedoch in seinem Buch, dass sein Vater Selbstmord begonnen hat. Wie auch immer, seit 1993 ist Escobar tot.  

 

Während unseres Aufenthaltes in Medellin spürten wir nach wie vor die Präsenz von Pablo Escobar, auch mehr als 20 Jahre nach seinem Tode. Sein Gesicht ist auf T-Shirt’s, Büchern und auf Wänden zu finden. Auch die Pablo Escobar Tour ist bei Touristen sehr beliebt. Während dieser rund 3 bis 4-stündigen Tour werden einige seiner Anwesen und sein Grab besucht. Sogar seinem Bruder kann man die Hand schütteln und ein Foto schiessen. Wir haben viele Kolumbianer gefragt, was sie von Pablo Escobar halten und haben oft die Antwort erhalten, dass er dem Land nichts als Leid gebracht hat. Eine wirklich sehr tragische Geschichte eines so wunderschönen Landes. 

 

Wer sich für die Geschichte von Pablo Escobar interessiert, der soll sich unbedingt die Serie „Narcos“ anschauen. Darin wird sein Leben und wie sich die ganze Geschichte von Anfang bis zum Schluss entwickelt hat, realitätsnah gezeigt.

 

 

Bildquelle: www..google.ch/fernandobotero

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